Massaker von Dinant

Am 23. August 1914 verübten deutsche Truppen in Belgien das Massaker von Dinant und töteten dabei 674 Zivilisten. Zugleich wurden rund 1100 bis 1300 von 1800 Häusern der Stadt zerstört. Das Vorgehen der deutschen Truppen zu Beginn des Ersten Weltkriegs erfolgte im Zuge ihres Marsches durch das zuvor neutrale Nachbarland.

Von August bis Oktober 1914 kamen in Belgien 5521 Zivilisten durch Hinrichtungen und zielgerichtete Zerstörungen von Ortschaften ums Leben, das Massaker von Dinant war der größte dieser Gewaltausbrüche deutscher Soldaten gegen Zivilisten. Die deutschen Offiziere und Soldaten rechtfertigten ihre Taten mit vermeintlichen Angriffen von Zivilisten beziehungsweise Freischärlern (Franctireurs), die Belgier bestritten derartige Angriffe vehement.

Im historischen Bewusstsein der Deutschen ist das Massaker kaum präsent. Sofern an die Gewaltausbrüche deutscher Truppen gegen belgische Zivilisten zu Beginn des Ersten Weltkriegs erinnert wird, stehen die Ereignisse von Dinant im Schatten der Gewalttaten in Löwen. Im englischen Sprachraum trug das Massaker mit zur Entstehung und Verbreitung des Propagandabegriffes Rape of Belgium (Schändung Belgiens) bei.

Ein Denkmal in der Innenstadt erinnert an das Schicksal der Getöteten von Dinant. 2001 entschuldigte sich die Bundesrepublik Deutschland bei den Nachkommen der damaligen Opfer.

Der Schlieffen-Plan von 1905 sah als strategisches Konzept des Generalstabs der preußischen Armee vor, einen langwierigen Zweifrontenkrieg Deutschlands gegen Frankreich und Russland zu vermeiden. Gemäß diesem Plan sollte Frankreich in wenigen Wochen besiegt werden, um die militärischen Kräfte anschließend gegen Russland ins Feld zu führen und es zu bezwingen.

Seit den 1830er Jahren war die Neutralität Belgiens vertraglich festgelegt und durch die europäischen Großmächte garantiert. Der modifizierte Schlieffenplan sah jedoch vor, diese Neutralität zu missachten, um bei einem Kriegsausbruch die französischen Armeen mit einer großen Schwenkbewegung im Norden zu umgehen und anschließend von hinten zu stellen. Die deutschen Militärplaner erwarteten keinen nachhaltigen Widerstand der Belgier gegen die mit dem Plan verbundene Invasion und Besetzung ihres Landes.

Viele Soldaten der deutschen Armeen marschierten in Frankreich und Belgien mit der Erwartung ein, nicht nur gegen reguläre Truppen kämpfen zu müssen, sondern auch gegen Zivilisten, die sie getarnt oder als Heckenschützen aus dem Hinterhalt angreifen würden. Diese Erwartung ging zurück auf Erfahrungen mit sogenannten Franctireurs im Deutsch-Französischen Krieg von 1870–1871. Die Erinnerungen daran wurden in Militärkreisen vielfach überliefert. Bereits vor Kriegsbeginn und vor Überschreiten der Landesgrenzen wurden die Truppen auf diese mögliche Gefahr eingestellt – „deutsche Offiziere rechneten aufgrund ihrer Ausbildung in einem kommenden Krieg fest mit einem Widerstand der Zivilbevölkerung und betrachteten diesen als ein Verbrechen“.

Innerhalb der ersten Wochen des Weltkrieges verbreiteten sich ungeprüfte Nachrichten über derartige Vorfälle rasch innerhalb der Armee und in der deutschen Presse. Briefe von Soldaten an Angehörige und Bekannte berichteten vielfach von der Beschießung deutscher Truppen durch belgische Zivilisten. Auch Harry Graf Kessler glaubte, die Belgier würden einen Volkskrieg führen:

Furchtbar ist es aber, dass man so viele Zivilisten immer wieder bestrafen muss, weil sie auf unsere Leute feuern; dass ganze Ortschaften verbrannt und zerstört werden. Das giebt (sic!) grauenhafte, erschütternde Bilder und Erlebnisse.

Bereits am 9. August 1914 verurteilten Kaiser Wilhelm II. und Karl von Bülow, Oberbefehlshaber der 2. Armee, den angeblichen Volkskrieg der Belgier gegen die deutschen Truppen.

Grundsätzlich sah die Haager Landkriegsordnung einen verbesserten Schutz von Zivilisten vor. Die Führung des deutschen Militärs war allerdings nicht gewillt, das in die Anweisungen für ihre Offiziere aufzunehmen. In der „Felddienstordnung“ von 1908 fehlte jeder Verweis auf die internationale Vereinbarung. Stattdessen wurden besondere Vorsichtsmaßnahmen gegen eventuelle Überfälle aus der Zivilbevölkerung gefordert. Dazu gehörten Strafandrohungen gegen Einwohner, Geiselnahmen oder Offenhalten der Hauseingänge. Obgleich die Landkriegsordnung der Bevölkerung sehr wohl ein Widerstandsrecht einräumte, leugnete die Felddienstordnung dieses Recht faktisch. Ausbilder von Offizieren wiesen offen darauf hin, dass die deutsche Auffassung bestimmten Regelungen der Haager Landkriegsordnung widerspreche, dieser Auffassung aber Vorrang zu geben sei, denn sonst werde dem „Franktireurkrieg Tür und Tor geöffnet“.

Mit seinem Ultimatum an Belgien verlangte das Deutsche Reich am 2. August 1914 freien Durchzug für seine Truppen. Belgien erblickte darin einen Angriff auf seine Neutralität, Unabhängigkeit und Existenz. König Albert wies das Ultimatum am 3. August ab. In der Nacht zum 4. August überschritten deutsche Truppen die Grenze und drangen auf belgisches Staatsgebiet vor. Binnen weniger Wochen wuchs die Zahl der deutschen Soldaten, die sich in Belgien befanden oder es durchquerten, auf eine Million Mann an, eine Invasionsarmee von bislang beispiellosem Ausmaß.

Trotz ihrer deutlichen numerischen Unterlegenheit leistete die belgische Armee in einem Ausmaß Widerstand, das die Invasoren überraschte. Sie konnte die Besetzung des Landes zwar nicht verhindern, verzögerte jedoch die Durchführung der deutschen Feldzugspläne. Die Schlacht um Lüttich (4. bis 16. August 1914) entwickelte sich zum ersten Kristallisationspunkt der belgischen Gegenwehr. Auch wenn diese Schlacht den deutschen Durchmarsch nicht verhinderte, hatte sie doch eine immense Bedeutung – sowohl für die Belgier als auch für ihre Gegner. Den Belgiern wurde deutlich, dass ihre Festungsbauten – der Festungsring Lüttich galt als uneinnehmbar – keinen ausreichenden Schutz vor Zerstörung durch modernstes Kriegsgerät wie der „Dicken Bertha“ boten. Viele deutsche Soldaten und Offiziere bestritten die Legitimität des Widerstandes der belgischen Armee. Verärgerung und Wut über diesen Widerstand sowie die Vorstellung von allgegenwärtigen Franctireurs führten zur Verteufelung der Bevölkerung Belgiens.

Während des wochenlangen Bewegungskrieges in Belgien verübten deutsche Soldaten in vielen Orten Gewalttaten gegen Zivilisten. Insgesamt 484 solcher Zwischenfälle mit zusammen 5521 Toten standen in direktem Zusammenhang mit militärischen Kampfhandlungen oder mit Panikreaktionen deutscher Soldaten (unter anderem als Folge von Eigenbeschuss). Vielfach waren solche Gewaltausbrüche Vergeltungsmaßnahmen für erlittene Rückschläge, Verluste oder vermeintliche Franctireur-Angriffe. Die Zivilisten kamen bei Einzel- und Massenerschießungen, als menschliche Schutzschilde, als Geiseln oder im Zuge von Vertreibungen, Deportationen und Brandstiftungen um.

Zu Ausschreitungen mit jeweils mehr als 100 Todesopfern kam es in Soumagne (5. August, 118 Tote), Mélen (8. August, 108 Tote), Aarschot (19. August, 156 Tote), Andenne (20. August, 262 Tote), Tamines (22. August, 383 Tote), Ethe (23. August, 218 Tote), Dinant (23. August, 674 Tote), Löwen (25. August, 248 Tote) und Arlon (26. August, 133 Tote). Fast immer wurden Häuser zerstört, oft durch vorsätzliche Brandstiftung. Im Zuge der Ausschreitungen mit mehr als 100 Toten wurden zusammen 4433 Gebäude zerstört. „Während dieser ersten Kriegswochen führte das deutsche Oberkommando ein Terrorregime gegen die Zivilbevölkerung“, urteilt die belgische Historikerin Laurence van Ypersele.

Dinant zählte im August 1914 rund 7000 Einwohner. Damit war sie die zweitgrößte Stadt der Provinz Namur. Der Ort liegt an der Maas, etwa 30 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Namur (wo Maas und Sambre zusammenfließen), und nur 20 Kilometer von der französischen Grenze bei Givet entfernt. Die Ortschaft war für die Überquerung der Maas strategisch bedeutsam. Der Fluss fließt hier in nördlicher Richtung, quer zur damaligen Marschroute der Deutschen. Oft nur wenige hundert Meter breit, erstreckte sich die Stadt auf rund vier Kilometern Länge am Ostufer des Flusses. Nach Osten begrenzten sie steile Felswände; das der Stadt gegenüberliegende Westufer war an vielen Stellen mit Hecken und Wäldern bewachsen.

Wie viele seiner belgischen Amtskollegen forderte der Bürgermeister Dinants Anfang August 1914 die Einwohner öffentlich auf, sich nicht an militärischen Auseinandersetzungen zu beteiligen sowie Waffen und Munition bei der Polizei abzugeben. Auch Versammlungen und Demonstrationen zur Unterstützung der belgischen Armee und der Alliierten verbot er vorsorglich.

Die französische 5. Armee unter Charles Lanrezac hatte, nachdem der zahlenmäßig bedeutsame deutsche Einmarsch in Belgien offensichtlich geworden war, Erlaubnis erhalten, auf belgisches Territorium vorzumarschieren, wo sie im Raum des Sambre-Maas-Dreiecks Stellungen bezog. Der Maas-Übergang bei Dinant wurde von Truppen des französischen I. Korps unter Louis Félix Marie Franchet d’Espèrey verteidigt.

Die deutsche 3. Armee stand unter dem Befehl von Max von Hausen. In dem Verband war die mobile sächsische Armee zusammengefasst. Die 3. Armee hatte den Befehl, die Provinz Namur in Richtung Westen zu durchqueren und Übergänge über die Maas zu erkämpfen. Auf nennenswerten Widerstand stieß sie zunächst nicht. Am 15. August 1914 versuchte eine Vorhut, die strategisch bedeutsame Brücke in Dinant zu erobern und zu sichern. Sie wurde von französischen Truppen, die die Stadt verteidigten, zurückgeschlagen. In diesem Gefecht zog sich Charles de Gaulle, der im Rang eines Leutnants zu den französischen Einheiten gehörte, eine Verwundung zu. Die spezifische Akustik des Geländes, insbesondere die Echos, die von den Felswänden zurückgeworfen wurden, sowie der Umstand, dass die Einwohner Dinants den Erfolg der französischen Soldaten lebhaft begrüßten, mag bei den sächsischen Truppen den Eindruck hervorgerufen haben, dass belgische Zivilisten gemeinsam mit den französischen Soldaten gegen sie kämpften.

Ein zweiter Zwischenfall ereignet sich – im Zuge der am 21. August begonnenen Schlacht an der Sambre – in der Nacht zum 22. August 1914. Ein motorisierter Trupp aus Pionieren und Schützen drang, die Straße von Ciney nutzend, in Dinant ein. Er tötete sieben Zivilisten und zündete mit Fackeln 15 bis 20 Häuser an. Sein Vorstoß basierte auf einem ehrgeizigen Befehl: „Das Batln. setzt sich […] in den Besitz von Dinant, […] vertreibt die Besatzung und zerstört den Ort soweit als möglich.“ Kommandeur der 46. Infanterie-Brigade war Generalmajor Bernhard von Watzdorf. Der Abstieg in die Ortschaft verlief zunächst ohne Überraschungen. Innerhalb der Stadt erblickten Angehörige des Bataillons in einem Café Licht und warfen eine Handgranate hinein. Daraufhin seien die Soldaten von allen Seiten unter Feuer genommen worden. Sie boten mit ihren Fackeln ein einfaches Ziel. Das Kommando beklagte anschließend 19 Gefallene und 117 Verwundete. Es war weder in der Nacht noch in anschließenden Untersuchungen auszumachen, wer den deutschen Trupp unter Feuer genommen hatte – Zivilisten (wie von den Deutschen behauptet), französische Soldaten oder deutsche Armeeangehörige per Eigenbeschuss. Der Ausgang des Überfalls bestätigte jedoch den Eindruck, Dinant sei ein Nest von Franctireurs.

Der Hauptangriff und die Einnahme Dinants erfolgten am 23. August 1914. Ab dem Morgen rückte die sächsische 23. und zwei Regimenter der 32. Division, gedeckt durch Artilleriebeschuss, in vier großen Zügen auf Dinant und seine Vororte vor.

Französische Truppen hielten sich auf dem Westufer. Sie deckten die deutschen Eroberer mit Gewehrfeuer und Artillerie ein. Am Spätnachmittag des 23. August sprengten sie die Brücke von Bouvignes sowie die Hauptbrücke zwischen Dinant und Saint-Médard. Am Abend zogen sie in Richtung französischer Grenze ab, die rund 15 Kilometer südlich liegt.

Jene deutschen Soldaten, die nach Leffe vorstießen, hatten den Befehl, das Steilufer nach Franctireurs abzusuchen und alle aufgespürten Verdächtigen zu erschießen. Auch unbewaffnete Männer sowie solche, von denen die deutschen Soldaten nicht wussten, ob sie Waffen benutzt hatten, wurden erschossen, als sie davonliefen. Männer der 3. Kompanie des 178. Infanterieregiments sollten den Ort Leffe von Freischärlern „säubern“. Trotz des Beschusses durch Franctireurs, dem das Regiment nach eigenen Aussagen ausgesetzt war, hatte es keine Toten oder Verwundeten zu beklagen. Die deutschen Soldaten drangen in Leffe von Haus zu Haus vor. Männer, die mit Waffen angetroffen wurden, richteten sie hin.

Eine Textilfabrik und ein Kloster der Prämonstratenser waren die auffälligsten Gebäude in Leffe. Im Zuge der Hausdurchsuchungen wurden viele Einwohner in die Klosterkirche verbracht. Weitere flüchteten eigenständig dorthin. Gegen 10 Uhr sonderten deutsche Soldaten 43 Männer der dort festgehaltenen Gruppe aus und erschossen sie. Den Mönchen wurde unterstellt, die Deutschen beschossen zu haben, dafür wurden sie mit einem Strafgeld von 15.000 Franc belegt. Frauen und Kinder blieben tagelang in der Klosterkirche eingesperrt.

Ein weiterer Teil der Bevölkerung Leffes hatte sich in die Kellerräume der Textilfabrik geflüchtet. Zu ihnen gehörten der Fabrikdirektor Rémy Himmer (zugleich Vize-Konsul Argentiniens), seine Angehörigen und Arbeiter aus Leffe. Sie ergaben sich gegen 17 Uhr den überraschten Deutschen. Frauen und Kinder wurden in das Kloster abgeführt, Himmer und 31 Männer füsiliert. Die Fabrik wurde niedergebrannt.

Die Infanterieregimenter 108 und 182 bahnten sich gemeinsam mit den Artillerieregimentern 12 und 48 den Weg ins Zentrum Dinants. Sie nutzten dieselbe Straße, die der motorisierte Trupp aus Pionieren und Schützen in der Nacht zum 22. August genommen hatte. Auf ihrem Weg gerieten sie unter schweren Beschuss der französischen Truppen. Angehörige der beiden sächsischen Infanterieregimenter richteten viele Zivilisten hin, beispielsweise 27 Männer, die in eine Bar geflüchtet waren. Ein Großteil des Innenstadtbezirks wurde niedergebrannt.

Das Infanterieregiment 100 wählte eine steile Abstiegsroute und erreichte über Saint-Nicolas den südlichen Stadtbereich. Auch diese Truppe verübte Gewalttaten gegen Zivilisten. So wurden in viele Hauskeller Handgranaten geworfen. In der Stadt überquerten die Soldaten den zentralen großen Platz, um zur Maas zu gelangen. Sie setzten dabei Zivilisten als menschliche Schutzschilde ein, um sich vor französischen Kugeln zu schützen. Zivilisten wurden zusammengetrieben. Einer der Sammelplätze war die Eisenhütte Bouille, ein weiterer das Stadtgefängnis. Am Nachmittag sonderten deutsche Soldaten 19 Zivilisten aus der Gruppe der in der Eisenhütte festgesetzten Personen aus und erschossen sie. Anschließend trieben deutsche Soldaten den Rest der Zivilisten von der Eisenhütte auf den zentralen Platz. Wenig später wurden Männer und männliche Jugendliche ausgesondert. Sie hatten sich in der Nähe des Stadtgefängnisses entlang einer Mauer, die das Grundstück des örtlichen Staatsanwalts Maurice Tschoffen zu einer Straße hin abgrenzte, aufzureihen und wurden erschossen. Bei dieser Exekution starben 137 Menschen. Die Schüsse des Erschießungskommandos verhinderten offenbar ein sich anbahnendes Massaker im Gefängnis von Dinant. Dort waren Frauen und Kinder bereits von Männern getrennt und Hinrichtungsdrohungen ausgesprochen worden. Der Lärm der Erschießungen nahe dem Gefängnis löste innerhalb der Haftanstalt Verwirrung aus und die bereits ausgesonderten Männer gelangten zu ihren Familien zurück.

Die Angehörigen des 101. Infanterieregiments rückten zusammen mit der 3. Pionier-Kompanie auf der südlichsten Route vor. Im Vorort Les Rivages durchsuchten sie Häuser und trieben Zivilisten als Geiseln zusammen. Zudem begannen sie mit dem Bau einer Pontonbrücke über den Fluss. Nachdem rund 40 Meter dieser Behelfsbrücke fertiggestellt waren, gerieten die mit dem Bau beschäftigten deutschen Soldaten unter französisches Feuer. Die Deutschen unterstellten, Franctireurs hätten sie beschossen. Sie schickten Edmond Bourdon, einen Rechtspfleger des örtlichen Gerichts, mit einem Boot auf die Westseite des Flusses, um die angeblichen Freischärler zu warnen, dass bei weiteren Gefechten Geiseln in Les Rivages erschossen werden würden. Als Bourdon nach Les Rivages zurückruderte, wurde er von deutschen Truppenangehörigen beschossen und verletzt. Nach weiteren Schüssen von der Westseite des Flusses führten die deutschen Soldaten die angedrohte Geiselerschießung durch. Auch Bourdon selbst sowie weitere seiner Familienmitglieder gehörten zu den 77 hingerichteten Personen. Mehr als die Hälfte der Opfer waren Greise, Frauen, Kinder und Säuglinge. Die Erschießungen fanden vor dem Haus des Rechtspflegers statt. Die Hinrichtungen setzten sich auf dem Westufer der Maas fort, als das 101. Infanterieregiment dort Neffe erreichte. 86 Einwohner dieses südwestlichen Vororts von Dinant wurden getötet.

Auch in den Folgetagen bis zum 28. August verfolgten deutsche Soldaten belgische Zivilisten und erschossen mindestens 58 Personen. Bauwerke wurden systematisch niedergebrannt, auch zunächst verschonte Einrichtungen wie die Post, Bankgebäude, die Stiftskirche, das Rathaus und das Kloster. Die Stadt wurde gründlich geplündert und verwüstet. Rund 400 Personen aus Dinant und seinen Nachbardörfern wurden nach Deutschland verschleppt und blieben bis November 1914 im Kriegsgefangenenlager Niederzwehren bei Kassel inhaftiert.

Von den Personen, die beim Massaker von Dinant ums Leben kamen, waren 92 weiblichen Geschlechts. 18 von ihnen waren älter als 60 Jahre, 16 unter 15 Jahre alt. Von den 577 Männern waren 76 älter als 60 und 22 jünger als 15 Jahre alt. Das älteste Opfer starb mit 88 Jahren, 14 Kinder waren jünger als fünf Jahre. Das Alter des jüngsten Opfers wird mit drei Wochen angegeben.

Eine belgische Enquetekommission befasste sich mit Verstößen deutscher Truppen beim Einmarsch in Belgien und veröffentlichte über das Justizministerium der in Le Havre amtierenden belgischen Exilregierung eine Reihe entsprechender Berichte. In ihrer Darlegung von Januar 1915 nahm sie erstmals umfassend zu den Ereignissen von Dinant Stellung. Auch im Bryce-Report von Anfang Mai 1915, der während des Weltkrieges als Bericht über deutsche Gräuel eine erhebliche publizistische Wirkung entfaltete, sind die Gewalttaten von Dinant erwähnt.

Das Deutsche Reich reagierte am 10. Mai 1915 auf die Anschuldigungen Belgiens und der Alliierten mit der als „Weißbuch“ bekannt gewordenen Denkschrift Die völkerrechtswidrige Führung des belgischen Volkskriegs. Diese Rechtfertigungsschrift für das Handeln deutscher Truppen breitete die These von einem Volkskrieg aus, in dem Franctireurs eine wesentliche Rolle spielen. Die Geschehnisse von Dinant wurden in einem eigenen Abschnitt umfassend abgehandelt. Die mit der Erstellung des Weißbuchs befassten zivilen und militärischen Stellen trugen die Zeugenaussagen mit Hochdruck zusammen, nachdem im Winter 1914/15 Berichte über die Ereignisse von Dinant international bekannt geworden waren. Die im „Weißbuch“ wiedergegebenen Aussagen waren zu erheblichen Teilen manipuliert und geschönt, widersprechende Zeugenaussagen wurden nicht zum Abdruck zugelassen.

Die Enquetekommission der belgischen Regierung antwortete auf das Weißbuch mit der Erstellung eines „Graubuchs“. In dieser rund 500 Seiten umfassenden Publikation, die im April 1916 herauskam, wurde zunächst die deutsche These eines belgischen Volkskriegs entkräftet. In seinen Anhängen setzte sich das Graubuch anschließend mit den deutschen Beschreibungen verschiedener Tatorte und Gewalttaten auseinander, unter anderem mit der Massenerschießung von Dinant. Vor allem Aussagen belgischer Zivilisten und deutscher Kriegsgefangener wurden dabei genutzt. Zudem enthielt das Graubuch detaillierte Opferlisten. Kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges fasste der deutsche Militärhistoriker Bernhard Schwertfeger vor Angehörigen des Auswärtigen Amtes die Wirkung des Graubuchs zusammen: Während das Weißbuch „unserer Sache nicht sehr nützlich“ gewesen sei, habe das belgische Graubuch mit seinen „geradezu verheerenden Angaben“ über Gräuel „in Aerschot […] in Andenne, in Löwen und vor allem in Dinant […]“ weltweit erheblich Eindruck gemacht.

Neben den amtlichen Denkschriften gab es weitere publizistische Stellungnahmen zu den Ereignissen in Dinant. Adolf Köster, Redakteur des SPD-Zentralorgans Vorwärts sowie des Hamburger Echos, und Gustav Noske, SPD-Abgeordneter im Reichstag, Chefredakteur der Chemnitzer Volksstimme und Wehrexperte der Partei, verfassten 1914 eine Schrift, die den Standpunkt des deutschen Heeres teilte und keinen Zweifel daran ließ, dass Zivilisten in Belgien gegen die deutschen Truppen gekämpft hatten. Darin verteidigten sie auch Hinrichtungen von Zivilisten: „Im übrigen leugnen weder Soldaten noch Offiziere, daß nach dem bitteren Recht des Krieges in Löwen wie in Dinant Unschuldige mit den Schuldigen gelitten haben.“

Kardinal Désiré-Joseph Mercier, der sich während des Krieges als dezidierter Gegner der deutschen Besatzung hervortat, bezog den gegenteiligen Standpunkt. Er erwähnte die Hinrichtungen in Dinant und anderen belgischen Städten in seinem Hirtenbrief „Patriotisme et Endurance“, der zu Weihnachten 1914 verlesen wurde und die deutsche Sicht des Einmarsches bestritt sowie die Belgier zur Vaterlandsliebe und Standhaftigkeit aufrief. Ernest Evrard nahm 1916 in seiner mit vielen Zeichnungen illustrierten 16-seitigen Broschüre ebenfalls die belgische Sicht ein, prangerte die Taten der „Teutonen“ beziehungsweise der „Barbaren“ an und nannte die Namen der deutschen Offiziere, die seiner Ansicht nach verantwortlich waren. Maurice Tschoffen gehörte zu jenen, die von Dinant nach Kassel deportiert wurden und dort im Kriegsgefangenenlager Niederzwehren interniert waren. Der Jurist befragte bereits im Lager Zeugen der Vorgänge von Dinant. Nach seiner Rückkehr nahm er 1915 in seinem Heimatort weitere Untersuchungen vor. Sein Bericht über die Zerstörung von Dinant erschien 1917 in den Niederlanden. Ihm ging es nicht nur um die Widerlegung der These von kämpfenden belgischen Zivilisten, sondern auch um die namentliche Nennung aller Getöteten.

Der Friedensvertrag von Versailles sah mit seinen Strafbestimmungen (Artikel 227 bis 230) die Ahndung deutscher Kriegsverbrechen durch Strafgerichte der Alliierten vor. Am 3. beziehungsweise 7. Februar 1920 forderten die Alliierten deshalb die Auslieferung von rund 900 Personen, unter ihnen Offiziere aller Dienstgrade bis hinauf zum Feldmarschall, Unteroffiziere, einfache Soldaten und Zivilisten einschließlich des früheren Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg. Die deutsche Öffentlichkeit reagierte – angetrieben von einer Kampagne der Deutschnationalen Volkspartei, vaterländischer Vereine und hinter den Kulissen wirkender Vertreter des Reichswehrministeriums – empört. Am 17. Februar 1920 lenkten die Alliierten ein und forderten nun die Anklage der Verdächtigen in Leipzig vor dem Reichsgericht. Am 7. Mai 1920 legten sie den deutschen Stellen eine Liste mit 45 Namen vor, die als „Probeliste“ bekannt wurde – die Alliierten wollten anhand der Verfahren gegen diese Personen ermitteln, inwieweit Deutschland den völkerrechtlichen Strafvorschriften nachkommen würde. 15 Verdächtige fanden sich auf belgischen Wunsch auf dieser Liste. Unter diesen befand sich allerdings niemand, der für die Taten von Dinant verantwortlich gemacht wurde, obgleich Belgien ursprünglich 22 deutsche Militärpersonen für das Massaker von Dinant zur Rechenschaft ziehen wollte.

Belgien war rasch mit den Leipziger Prozessen unzufrieden. Ähnlich wie die Franzosen, die bis Dezember 1924 mehr als 1200 Deutsche in Abwesenheit verurteilten, verhängten belgische Gerichte Urteile in Abwesenheit. Am 9. Mai 1925 verurteilte ein belgisches Kriegsgericht in Dinant mehrere deutsche Offiziere wegen der Taten in der belgischen Kleinstadt. Das Reichsgericht griff diese Fälle auf, wies im November/Dezember 1925 aber alle Anschuldigungen zurück. Es hielt die Franctireur-These auch im Fall Dinant aufrecht. Einer der Angeklagten war Oberst Johann Meister, im August 1914 Kommandeur des Infanterieregiments 101. Die belgische Anklage warf ihm das „systematisch unmenschliche Vorgehen seiner Truppen in der Zeit vom 19. bis zum 27. August 1914“ vor sowie den Befehl zur Exekution von Zivilisten in Les Rivages am 23. August 1914. Das Gericht in Leipzig stellte dazu fest, dass deutsche Soldaten in Dinant von Zivilisten beschossen worden seien, auch von Frauen und Kindern. Obgleich einige Zeugen ausführten, unter den hingerichteten Geiseln seien auch Frauen und Kinder gewesen, sah das deutsche Gericht keinen Grund zur Verurteilung Meisters. Es stellte fest: „Hiernach liegen keine Tatsachen vor, aus denen hervorgeht, daß die Tötung rechtswidrig erfolgt ist. Überdies ist aber auch ein Befehl des Beschuldigten zum Erschießen jener Zivilpersonen nicht erwiesen.“ Das deutsche Gericht bezog sich bei seinem Urteil auf deutsche Untersuchungen der Jahre 1915 für das Weißbuch sowie einer weiteren von 1920, die Meister entlasteten; den Befehl zu Exekutionen in Les Rivages habe nicht er, sondern einer seiner Untergebenen erteilt.

In Dinant etablierten sich bereits unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs öffentliche und kollektive Formen des Gedenkens. Noch im Dezember 1918 verlas der ortsansässige Jurist Edouard Gérard öffentlich im Namen des Stadtrats einen „Schwur“. Dieser verurteilte die These von den Franctireurs und forderte eine Bestrafung der Täter des Massakers. Die Zeremonie wurde zur Erinnerung an die Befreiung der Stadt durch britische und amerikanische Truppen wiederholt. Kardinal Mercier hielt am 23. August 1919, dem fünften Jahrestag des Massakers, in Dinant eine Ansprache. Er betonte, Belgien sei das am meisten geprüfte und heroischste Land der Welt, von den belgischen Städten sei Dinant in seinem Kummer die tapferste. Die Einwohner Dinants erinnerten an vielen Stellen ihres Ortes an die Hinrichtungen, es etablierte sich eine Art „Kreuzweg“, der die Exekutionsstätten miteinander verband. Einige der lokalen Erinnerungsorte bildeten Motive zeitgenössischer Ansichtskarten

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Zur volkstümlichen Erinnerungskultur und zur Propaganda militärischer Erfolge deutscher Truppen gehörten in Deutschland bereits während der Kriegsjahre sogenannte Vivatbänder. Erlöse aus den Verkäufen dieser Textilien gingen an das Deutsche Rote Kreuz. Dem Überschreiten der Maas in Dinant waren verschiedene dieser Sammelbänder gewidmet. Jeder Hinweis auf Auseinandersetzungen mit den Zivilisten fehlt, sowohl bei dem Band, das Joseph Sattler illustrierte, als auch bei einem anderen. Die Erinnerungsliteratur deutscher Offiziere präsentierte die These von den belgischen Franctireurs hingegen offen. General Max von Hausen, Befehlshaber der 3. Armee, beschrieb in seinen 1922 veröffentlichten Kriegserinnerungen den erbitterten Widerstand der Zivilisten in Dinant, an dem auch Frauen und Kinder beteiligt gewesen seien. Hausen verteidigte den Beschuss der Stadt, die Brandstiftungen, die Hinrichtungen waffentragender Zivilisten und die Geiselerschießungen. Diese Handlungen seien wegen des belgischen Volkskrieges, der sich auch in Dinant gezeigt habe, keine Verstöße gegen das Völkerrecht.

In Dinant begann die Stadtverwaltung Mitte der 1920er Jahre damit, die verschiedenen Gedenkorte nach einheitlichen Gesichtspunkten zu gestalten. Zudem wurde vor dem Rathaus ein Mahnmal für die Opfer des Krieges errichtet. Die Einweihung fand am 27. August 1927 statt. An der Zeremonie nahmen Kronprinz Leopold, Kriegsminister Charles de Broqueville und der französische Rentenminister Louis Marin teil. Veranstaltungsredner verurteilten, dass Deutschland immer noch an der Franctireur-These und der Behauptung, in Belgien habe im August 1914 ein Volkskrieg stattgefunden, festhalte. Wenige Tage später folgte die Einweihung eines Denkmals für die in den Gefechten um Dinant gefallenen französischen Soldaten. Ehrengast Marschall Pétain nannte Belgien dabei „die Vorhut des Romanentums“. Friedrich von Keller, deutscher Botschafter in Belgien, protestierte scharf gegen Inschriften, die das „teutonische Wüten“ und die „deutsche Barbarei“ anprangerten. Rechtsgerichtete und katholische Zeitungen schlossen sich in Deutschland dem Protest an und kritisierten ein Wiederauferstehen der „Gräuel-Legenden“ und „Kriegspsychosen“. Erneut wiederholten viele Zeitungen die Behauptung, in Dinant und anderen belgischen Orten hätten sich Zivilisten, unten ihnen auch Kinder, an den Kämpfen gegen die deutschen Soldaten beteiligt. Der Deutsche Reichskriegerbund „Kyffhäuser“ und der Deutsche Offizier Bund (DOB) sahen in den Feierlichkeiten von Dinant Angriffe auf die Ehre deutscher Soldaten. Insbesondere der DOB drängte die Reichsregierung, bei der belgischen Regierung zu protestieren.

1927 kam es zu einer weiteren Krise der deutsch-belgischen Beziehungen. Auslöser war die Veröffentlichung der Schrift Der belgische Volkskrieg, bereits 1924 verfasst vom Würzburger Völkerrechtler Christian Meurer. Publiziert wurde die Studie vom 3. Unterausschuss des Reichstags-Untersuchungsausschusses als 2. Band der Reihe Völkerrecht im Krieg. Die somit offizielle Schrift befasste sich mit der deutschen Invasion in Belgien und bestritt alle Anschuldigungen der Belgier gegen das deutsche Heer. Meurer argumentierte wie das deutsche Weißbuch von 1915: Belgische Zivilisten einschließlich Priester, Frauen und Kinder hätten die Invasionsarmee in großem Umfang bekämpft. Die deutsche Reaktion darauf sei rechtmäßig gewesen. Meurer hatte bereits 1914 eine apologetische Schrift vorgelegt: Er war Autor des Aufsatzes Der Volkskrieg und das Strafgericht über Löwen. Gegenmeinungen innerhalb des Unterausschusses, insbesondere die kritischen Positionen der Sozialdemokraten Paul Levi und Wilhelm Dittmann, die Zweifel an der Unschuld deutscher Truppen hegten, waren vollständig ignoriert worden. Die erste umfassende belgische Gegenschrift verfasste der Löwener Professor Fernand Mayence (1879–1959). Sie erschien 1928 und entwickelte die These, die deutschen Soldaten seien in den Anfangswochen des Krieges einer Massensuggestion zum Opfer gefallen. Die Schrift wurde ins Deutsche übersetzt und in einer Stückzahl von 15.000 Exemplaren vertrieben, 7000 davon gingen an Professoren und Gymnasiallehrer. Der sozialdemokratische Vorwärts schloss sich der Argumentation von Mayence an. Für Dinant verfassten Maurice Tschoffen und Norbert Nieuwland eine Antwort auf Meurers Gutachten. Auch sie wurde übersetzt und erreichte in Deutschland bis Juni 1930 eine Auflage von 200.000 Stück. Ihre Thesen wurden von sozialdemokratischen und pazifistischen Zeitschriften positiv aufgenommen. Das Reichspostministerium versuchte im März 1929 den Wirkungskreis der Broschüre von Tschoffen und Nieuwland einzugrenzen, indem es ein Beförderungsverbot verhängte. Daraufhin verteilten pazifistische Vereinigungen die Schrift in Eigenregie.

Der Streit um die Erinnerung erfasste Anfang der 1930er Jahre den Tourismus. Die Städte Dinant und Aerschot gingen 1932/33 gerichtlich gegen den Baedeker-Verlag vor. Dieser hatte in seinem Belgien-Reiseführer die deutsche These vom belgischen Franctireur-Krieg übernommen. Der Verlag willigte nach gerichtlichen Auseinandersetzungen ein, eine Neufassung mit einer neutralen Darstellung des Geschehens zu drucken – bis dahin blieb in Belgien der Verkauf sowohl der deutsch- als auch der englischsprachigen Version des Reiseführers verboten. Das Reichswehrministerium und das Außenamt übernahmen die Gerichtskosten des Verlags. Die Auseinandersetzung der beiden belgischen Städte mit dem deutschen Verlagshaus wurde in den Zeitungen Belgiens und Deutschlands intensiv rezipiert – mit diametralen Vorzeichen.

In der Zwischenkriegszeit bildete ein zentrales Mahnmal zum Gedenken an die zivilen belgischen Opfer den Schlussstein des Streits der Erinnerungen an die Geschehnisse von August 1914. Ein erster Entwurf von Pierre De Soete (1886–1948) sah einen 50 Meter hohen Obelisken vor. Das Mahnmal sollte ferner Teile einer Inschrift aufnehmen, die zunächst für die wiedererrichtete Bibliothek von Löwen vorgesehen war, dort aber nach heftigen internationalen Auseinandersetzungen nicht angebracht wurde, weil sie einen „Furor teutonicus“ anprangerte. Das Bekanntwerden der Pläne eines solchen Mahnmals in Dinant, die von einer Gruppe um Edouard Gérard und dem Bürgermeister von Dinant, Léon Sasserath, vorangetrieben wurden, löste erneut Spannungen zwischen Deutschland und Belgien aus. Auch innerhalb Belgiens war es wegen seiner anklagenden Inschrift umstritten. Selbst lokale Honoratioren wie Edouard Gérard und Maurice Tschoffen distanzierten sich aus Gründen der Staatsräson von diesem Projekt. Aufgrund der Auseinandersetzungen fiel das Monument schließlich kleiner aus als geplant, aber es war immer noch 25 Meter breit und 9,50 Meter hoch: In der Mitte befand sich kein Obelisk, sondern eine aus Stein gemeißelte Hand mit zwei zum Eid empor gereckten Fingern – eine Erinnerung an den öffentlichen Schwur in Dinant im Jahr 1918. Sie wurde flankiert von einer Mauer mit Geländer, das die Inschrift „Furore Teutonico“ trug. Auf den Außenpfeilern waren die Namen der belgischen Orte festgehalten, in denen es im August 1914 zu Massakern an der Zivilbevölkerung gekommen war. An der Mauer listeten Tafeln die Namen aller 674 Massakeropfer von Dinant auf. Das Mahnmal, das in der Nähe der Mur Tschoffen seinen Platz fand, wurde am 23. August 1936 eingeweiht. Würdenträger aus Politik, Klerus und Gesellschaft Belgiens und Frankreichs blieben der Veranstaltung fern, das Mahnmal galt als Störfaktor der unsicheren belgischen Neutralität in Nachbarschaft eines expansionswilligen nationalsozialistischen Deutschlands. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Belgien wurde es 1940 von den Deutschen zerstört.

In der Geschichtswissenschaft der Bundesrepublik sorgte die Studie „Der Fall Löwen“ von Peter Schöller, die 1958 gleichzeitig auf Deutsch, Französisch und Flämisch erschien, für einen Wandel der Sichtweisen. Schöller analysierte die Quellen und die Entstehungsgeschichte des deutschen „Weißbuchs“ von 1915. Dabei zeigte er, dass die These vom Volkskrieg und den belgischen Franctireurs auf zahlreichen Manipulationen beruhte. Schöllers Studie fand unter deutschen und belgischen Historikern Anerkennung. Gleiches galt für die Publizistik dieser Länder. Auch Bundeskanzler Konrad Adenauer, Bundespräsident Theodor Heuss und Bundesaußenminister Heinrich von Brentano lobten das Buch. Die 70-seitige Schrift konzentrierte sich allerdings auf die Geschehnisse in Löwen, die Massaker an anderen Orten Belgiens behandelte sie nicht. Für wichtige andere Gewalttaten – unter anderem jene von Dinant – waren andere Detailuntersuchungen vorgesehen, die allerdings nicht zustande kamen. Eine Reihe von Veteranen des Ersten Weltkriegs lehnte Schöllers Studie ab und hielt an der These von den belgischen Franctireurs fest. In westdeutschen Schulbüchern der 1970er Jahre wurden die Erschießungen in Löwen als belgische Kriegspropaganda abgetan. Auch die Brockhaus Enzyklopädie behauptete in ihrer 20. Auflage (1996), der Begriff „Franctireurs“ bezeichne Zivilisten, die 1870/71 und 1914 in Frankreich und Belgien hinter der Front gegen die deutschen Armeen gekämpft hätten.

Um den Abriss eines Kriegerdenkmals, das „Marburger Jäger“ ehrt, die 1914 am Massaker von Dinant teilnahmen, entstand im Sommer 2014 ein Streit zwischen der Stadtverwaltung Marburgs und der „Kameradschaft Marburger Jäger“.

In Dinant fanden am 23. August regelmäßig Gottesdienste statt, die dem Andenken an die Opfer des Massakers gewidmet waren. Nahe dem Rathaus von Dinant erinnert ein Denkmal an die Opfer des Massakers sowie an die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Die Bundesrepublik Deutschland entschuldigte sich im Jahre 2001 für das Massaker, Walter Kolbow, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, bat vor Ort um Vergebung für das von Deutschen begangene Unrecht. Am einhundertsten Jahrestag der Ereignisse fanden in Dinant Gedenkveranstaltungen statt, an denen auch der König der Belgier teilnahm. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erhielt am 13. September 2013 vom Bürgermeister Dinants eine Einladung zu den Feierlichkeiten, die sie ausschlug.

Der niederländische Maler und Karikaturist Louis Raemaekers (1869–1956) hielt sich im August 1914 in Belgien auf und fertigte eine Vielzahl von Zeichnungen an, mit der er die Gewalt und Herrschaftspraxis der Deutschen in Belgien scharf anprangerte. Seine Werke erfuhren in Büchern, als Diapositive, als Ansichtskarten und als Nachdrucke in Zeitungen neutraler Ländern und Staaten, die gegen Deutschland Krieg führten, eine außerordentlich weite Verbreitung und machten den Künstler berühmt. Eine seiner Gräuel-Zeichnungen hatte den Titel The Massacre of the Innocents – eine Anspielung auf den Kindermord in Betlehem. Es stellt dar, wie entsetzte Frauen und Mädchen, die in Dinant die Erschießung ihrer Männer mitansehen müssen, mit Gewehrkolben brutal zurückgedrängt werden. Eine weitere Zeichnung mit dem Titel Frieden regiert in Dinant zeigt im Vordergrund einen Pfeife rauchenden deutschen Soldaten in den Ruinen von Dinant. Im Hintergrund ist ein Leichenhaufen zu sehen.

Der amerikanische Maler und Zeichner George Wesley Bellows thematisierte die Massenerschießungen von Zivilisten in Dinant in einer Lithografie sowie einem Ölgemälde, die er im Frühjahr des Jahres 1918 im Zuge seines Zyklus War (Krieg) schuf. Dieser behandelte Verbrechen deutscher Truppen in Belgien. Entsprechende Berichte von Brand Whitlock (1869–1934), dem amerikanischen Botschafter bei der belgischen Regierung, sowie Passagen des Bryce-Reports hatten Bellows dazu angeregt.

Arnold Friedrich Vieth von Golßenau nahm als Offizier an der Eroberung von Dinant teil. Unter dem Künstlernamen Ludwig Renn verarbeitete er seine Erlebnisse in seinem Roman Krieg, der 1928 bei der Frankfurter Societäts-Druckerei erschien. Der Erzähler ist nicht Augenzeuge von Franctireur-Aktivitäten. Allerdings schreibt er Schüsse auf seine Einheit belgischen Zivilisten zu und ist von der Richtigkeit der Gerüchte über gewaltsame belgische Freischärler-Aktivitäten überzeugt.

Renn erläuterte in einem mehrteiligen Aufsatz

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, der 1929 in Die Linkskurve, dem Organ des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, erschien, Hintergründe der Entstehung seines Antikriegsromans. Dabei nahm er deutlich Abstand von der Franctireur-These, die auch er in seinem Roman wiederholt hatte. Er räumte ein, im August 1914 einer Sinnestäuschung erlegen zu sein. „Wir aber hatten geglaubt, von Einwohnern beschossen zu werden, und hatten massenhaft Zivilisten erschossen.“

Der Historiker Lothar Wieland untersuchte in seiner 1984 publizierten Dissertation die Frage des vermeintlichen Franctireurkrieges in Belgien sowie die öffentliche Meinung zu diesem Krieg in Deutschland. Es ging ihm darum, nicht nur die deutschen Stellungnahmen in Politik und Publizistik zu erfassen, einzuordnen und zu bewerten. Er untersuchte auch die belgischen Positionen zu dieser Frage, nicht zuletzt, um die in Deutschland von 1914 bis in die 1950er Jahre weit verbreitete These zum „Franctireurkrieg“ hinterfragen zu können. Die unterschiedlichen Perzeptionen des Massakers von Dinant werden dabei angesprochen, eine Beschreibung des Massakers fehlt bei Wieland allerdings.

Die von deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg verübten Kriegsverbrechen im besetzten Belgien sind kaum im historischen Bewusstsein der Deutschen angekommen, vielfach sind sie überlagert von den Erinnerungen an deutsche Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord im Zweiten Weltkrieg. Von den Gewaltverbrechen gegen belgische Zivilisten ist die Zerstörung Löwens am bekanntesten. Die Verwüstung dieser Universitätsstadt mit ihren Kulturschätzen und ihrer Bibliothek hat bereits in den Jahren des Ersten Weltkriegs heftige Kritik an der deutschen Kriegsführung hervorgerufen. Die Ereignisse in Dinant haben nie dieses Maß an Aufmerksamkeit erfahren, obgleich dort deutlich mehr Zivilisten getötet wurden.

Die Historiker John N. Horne und Alan Kramer befassen sich in ihrer 2001 erschienenen Studie German atrocities, 1914. A history of denial, die seit 2004 in deutscher Übersetzung vorliegt, mit den Gräueltaten der deutschen Soldaten im besetzten Belgien des Ersten Weltkrieges. Sie gehen dabei eingehend auf das Massaker von Dinant sowie die auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen des Geschehens in Belgien, Deutschland und weiteren Ländern ein, sowohl in den Kriegsjahren als auch anschließend. Die beiden Historiker arbeiten heraus, dass in Dinant – wie in Belgien insgesamt – kein Volkskrieg gegen die deutschen Invasoren stattfand und dass Franctireur-Aktivitäten höchstens vereinzelt vorkamen. Den deutschen Soldaten gestehen sie aber zu, angenommen zu haben, von belgischen Zivilisten angegriffen worden zu sein – die beiden Historiker gehen von einer handlungsleitenden kollektiven Wahnvorstellung der deutschen Truppen aus.

Diese Argumentation findet sich in ähnlicher Weise in einem im Jahr 2000 publizierten Aufsatz von Aurore François und Frédéric Vesentini. Die Autoren, beide Historiker an der Université catholique de Louvain, befassten sich insbesondere mit den Ursachen der Massaker von Dinant und Tamines. Zum kollektiven Volkskrieg-Wahn seien typische Charakteristika von Invasionskriegen gekommen: Entbehrungen und Leid sowie Zorn und alkoholbedingte Rauschzustände vieler Soldaten hätten zum Ausbruch von Gewalt gegen Zivilisten beigetragen, ebenso die stimulierende Wirkung von Waffenbesitz. Gehorsam gegenüber Vorgesetzten und Befehlen sowie gruppendynamische Prozesse seien ebenfalls ursächlich gewesen.

Horne und Kramer konnten sich bei ihren Erläuterungen zur Erinnerungskultur in Dinant auf eine Dissertation stützen, die der belgische Historiker Axel Tixhon 1995 zur Geschichte des Gedenkens an das Massaker verfasste.

Der in Großbritannien lehrende Historiker Jeff Lipkes bestreitet, dass die Gewalttaten in Belgien Ergebnis einer kollektiven Wahnvorstellung waren. Seine These lautet vielmehr, sie seien von den militärischen Vorgesetzten befohlen und aktiv gefördert worden. In Belgien sei bewusst eine Terrorkampagne zur Einschüchterung der Zivilbevölkerung inszeniert worden. Die Vorgänge in Belgien seien darüber hinaus ein Probelauf für die Massenverbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands während des Zweiten Weltkriegs gewesen. Rezensenten stellten den Erklärungswert von Lipkes Thesen in Frage. Dem Massaker in Dinant und seinen Vororten widmet der Autor im Rahmen seiner 2007 veröffentlichten Studie rund 120 Seiten dichter Beschreibung, die vornehmlich auf belgischen Zeugenaussagen aus den Kriegs- und Nachkriegsjahren sowie auf Dokumenten belgischer Archive basiert. Auch die Vorgänge in Dinant vergleicht Lipkes mit Verbrechen der SS in Osteuropa.

William Gully, 1. Viscount Selby

William Court Gully, 1. Viscount Selby QC, PC (* 29

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. August 1835; † 6. November 1909) war ein britischer Politiker der Liberal Party und Sprecher des Unterhauses (House of Commons).

Der Sohn des Arztes Dr. James Manby Gully, einem Pionier auf dem Gebiet der Hydrotherapie, absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium der Rechtswissenschaften am Trinity College (Cambridge), wo er zeitweise auch Präsident des Debattierclubs „Cambridge Union Society“ war. Nach Abschluss des Studiums wurde er 1860 zum Rechtsanwalt zugelassen, 1877 wechselt er ins Richteramt.

Gully begann seine politische Laufbahn als erfolgloser Kandidat der Liberal Party bei den Unterhauswahlen von 1880 und 1883 im Wahlkreis Whitehaven. 1886 wurde er zum Abgeordneten des britischen Unterhauses gewählt. Dort vertrat er bis 1905 den Wahlkreis Carlisle.

Im April 1895 wurde er als Nachfolger von Arthur Wellesley Peel zum Sprecher (Speaker) des House of Commons gewählt. Dabei setzte er sich mit der knappen Mehrheit von elf Stimmen gegen den Kandidaten der Unionist Party, Matthew Ridley, durch, der jedoch am 21. Juni 1895 Innenminister im Kabinett des Marquess of Salisbury wurde.

1905 trat er von seinem Amt als Speaker zurück. Nachfolger als Unterhaussprecher wurde sein bisheriger Erster Stellvertreter James William Lowther. Einer alten Tradition gemäß wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben. Er führte den Titel Viscount Selby (den Geburtsnamen seiner Ehefrau) und gehörte als solcher dem House of Lords an.

William Gully | James Lowther | John Henry Whitley | Edward FitzRoy | Douglas Clifton Brown | William Morrison | Harry Hylton-Foster | Horace King | Selwyn Lloyd | George Thomas | Bernard Weatherill | Betty Boothroyd | Michael Martin | John Bercow

Marie de l’Incarnation

Marie de l’Incarnation (* 26. Februar 1599 in Pans bei Tours, Frankreich; † 30. April 1672 in Quebec / Kanada) war eine französische Nonne, Mystikerin und Missionarin in Kanada und wurde 1980 von der römisch-katholischen Kirche seliggesprochen. Papst Johannes Paul II. nannte sie bei der Feier der Beatifikation die Mutter der katholischen Kirche in Kanada. Am 3. April 2014 wurde sie von Papst Franziskus heiliggesprochen.

Marie Guyart, so ihr weltlicher Name, trat, nachdem sie nach dreijähriger, unglücklicher Ehe verwitwete, am 25. Januar 1631 in das Kloster des Ordens der Ursulinen in Tours ein. Dort legte sie im Jahr 1633 die Ordensgelübde ab. Am 4. Mai 1639 reiste sie nach Neufrankreich, wie damals die französischen Kolonien in Kanada hießen, um dort eine Niederlassung der Ursulinen zu gründen

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. Im Frühjahr des Jahres 1641 wurde das erste Kloster der Ursulinen gegründet, dessen Oberin sie wurde. Ein Jahr später konnte sie ein weiteres Kloster gründen. Mit großem Eifer widmete sie sich der Mission unter den Irokesen, besonders der Ausbildung der Kinder. Sie verfasste zur Förderung der Christianisierung Katechismen in der Sprache der Huronen

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, der Irokesen und der Algonkin, was bei ihrer Seligsprechung erwähnt wurde.

Marie de l’Incarnation ist neben ihrer Missionstätigkeit vor allem wegen ihrer mystischen Visionen bekannt. Schon in jungen Jahren hatte sie mystische Erfahrungen mit der Heiligen Dreifaltigkeit und mit dem Herzen Jesu. Der Theologe Henri Bremond nannte sie die bedeutendste Mystikerin Frankreichs.

Mit ihrem Mann Claude Martin hatte sie einen Sohn, Claude, der später Benediktiner in der Kongregation der Mauriner und Ordenspriester wurde. Dieser gab ihre persönlichen Aufzeichnungen erstmals in Buchform heraus

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Marie Guyart wurde am 22. Juni 1980 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen, am gleichen Tag wie François de Montmorency-Laval, der 20 Jahre nach ihr in Kanada ankam und der erste Bischof von Quebec wurde. Zusammen mit diesem und dem spanischen Jesuiten und Apostel Brasiliens José de Anchieta wurde sie am 3. April 2014 von Papst Franziskus per Dekret heiliggesprochen. Ihr Gedenktag in der Liturgie ist der 30. April.

Der Klassiker unter den französischen Kanzelrednern, Jacques Bénigne Bossuet, nannte Marie de l´Incarnation in Anspielung auf Theresa von Avila, die gleichfalls tiefe Mystik und hohe Aktivität miteinander verband, in seinen „États d´Oraison“ la sainte Thérèse du nouveau monde (die heilige Theresia der Neuen Welt).

An der Laval-Universität in Quebec gibt es seit 1993 ein interdisziplinäres wissenschaftliches Studienzentrum zur Erforschung ihrer Werke, besonders des Briefwechsels, ihrer geistlichen Psychologie und ihrer Zeit.

Gebr. Willach GmbH

Die Gebr. Willach GmbH ist ein Unternehmen in der Gemeinde Ruppichteroth.

1764 heiratete der aus Dierdorf stammende Bauernsohn Johann Friedrich Willach in die Bauernfamilie Stommel aus Ruppichteroth ein. Der Nachkomme Wilhelm Willach erweiterte das inzwischen geführte Kaufmannsgeschäft in Ruppichteroth Manufactur-, Colonial-, Kurz-, Weiß- und Wollwaren, Eisen- und Baumaterialien, Dünger und Kohlen um Filialen in Dierdorf, Altenkirchen, Neuwied und Bröleck. Dieser Geschäftsbereich ging an einen Enkel über und zwei Söhne von Wilhelm Willach gründeten 1889 stattdessen ein Handelsgeschäft für Schlösser und Beschläge.

Otto und Hugo Willach bauten 1889 eine eigenständige Produktion auf. 1904 wurde für die Fabrik eigener Strom produziert, es wurden ein Sägewerk, eine Drechslerei und eine eigene Farbenfabrik aufgebaut.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurden über 60 Leute beschäftigt. In der Zeit der Besetzung des Rheinlandes wurde eine Zweigstelle in Köln unterhalten, um den wirtschaftlichen Absatz sichern zu können.

1926 gingen die Brüder Willach getrennte Wege.

Otto Willach übernahm den Unternehmensnamen Gebr. Willach (Firma) und baute ein neues Werk an der Herchener Straße zusammen mit seinem Sohn. Willach beschäftigte bis zu 200 Arbeitnehmer. Nach der Wende wurde in Burgstädt ein weiteres Werk eröffnet und 2002 wurde das Unternehmen nach der DIN EN ISO 9001 qualifiziert. Die Gebr. Willach GmbH Fabrik für Beschlag-Technik hat in 50 Länder Schlösser, Möbelbeschläge, Schalteranlagen und Vitrinenbeschläge exportiert. Sie hat nicht nur zahlreiche Arbeitnehmer als Einwohner gewonnen, sondern auch mit Unternehmenskrediten an seine Arbeitnehmer den Bau von Eigenheimen gefördert.

Hugo Willach gründete 1926 mit seinen Söhnen Walter und Otto das Unternehmen Hugo Willach & Söhne, welches die Gebäude Werk I am Bahnhof der Bröltalbahn nutzten. 1952 wurde die Firma auf HUWIL-Werke geändert. 1970 wurde Werk III in Waldbröl gegründet. Zu Spitzenzeiten beschäftigte HUWIL bis zu 1.000 Arbeitnehmer. Sie produzierten Möbel- und Zierschlösser, Deckelstützen, Falt- und Schiebetürsysteme. Nach einer Finanzkrise übernahm die Kapitalgesellschaft der Deutschen Versicherungswirtschaft das Unternehmen. Nachdem im Oktober 2006 51 % des HUWIL-Werkes an die englischen Titus International Plc. verkauft wurden, übernahm Titus das HUWIL-Werk im Januar 2007 komplett. Titus+Lama erweiterte sich mit dem gleichwertigen Partner HUWIL zu Titus+Lama+Huwil und wurde zu einem der weltweit zehn größten Herstellern von Möbelzubehör.

2012 wurde das HUWIL-Gelände mit dem inzwischen geschlossenen Betrieb an die Firma Schoofs Immobilien Invest X GmbH & Co KG mit Sitz in Kevelaer verkauft. Im Dezember 2014 wurden die leerstehenden Gebäude des Geländes an der Brölstraße abgerissen.

Im Sommer 2015 eröffnete an dieser Stelle das den alten Gebäuden nachempfundene HUWIL-Center

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. Als Mieter sind u.a. LIDL, EDEKA, Fressnapf, KiK und Rossmann gewonnen worden.

Seit 1963 entwickelt, produziert und vertreibt die Gebr

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. Willach GmbH (GeWiRu) Lagersysteme für Apotheken. Angefangen hat dies mit Ziehschränken, die später als typische Apothekerschränke bekannt wurden. Später kamen Rollschränke dazu. Ende der 1960er Jahre brachte Willach die klassischen Apothekerschubladen auf den Markt, die heute unter der Marke FAMA vermarktet werden. FAMA Apothekenschubladen sind nach Angaben des Herstellers das führende Schubladensystem in der Welt.

Seit Mitte der 1990er Jahre entwickelt, fertigt und vertreibt Willach automatisierte Apothekenlagersysteme (Kommissionierautomaten/Ausgabeautomaten), die heute zum Standard vieler moderner und gut frequentierter Apotheken geworden sind.

2007 wurde die Willach+Heise GmbH (heutige Willach Pharmacy Solutions GmbH) gegründet, die sich seitdem weltweit auf die Beratung und den Vertrieb von Lagersystemen für Apotheken konzentriert. Seit 2009 führen Sonja Früh (geb. Willach) und Jens Willach gemeinsam als geschäftsführende Gesellschafter die Unternehmen Gebr. Willach GmbH und Willach Pharmacy Solutions GmbH.

Unter der Marke VITRIS vermarktet die Gebr. Willach GmbH heute ihr Sortiment an Glasbeschlägen.

In Ruppichteroth liegt gegenüber dem Werk der Gebr

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. Willach GmbH die Otto-Willach-Straße.

Sperrballon

Ein Sperrballon ist ein mittelgroßer, mit einem Traggas leichter als Luft gefüllter Fesselballon, der der Kriegsführung dient.

Sperrballone sollten durch ihre Anwesenheit feindlichen Piloten den Anflug auf Bodenziele erschweren oder unmöglich machen, da die angreifenden Flugzeuge durch die Seile der Ballons zum Absturz gebracht werden konnten. Sperrballons zwangen den Piloten, in größerer Höhe zu fliegen, was sich im Fall von Bombern oder von Erdkampfflugzeugen negativ auf deren Treffgenauigkeit auswirkte oder gänzlich verhinderte, dass eine erfolgversprechende Schussposition eingenommen werden konnte.

Tief fliegende Kampfflugzeuge entzogen sich im Zielbereich dem Abwehrfeuer von Flugabwehrkanonen (Flak), sodass die Ablenkung nach oben auch hier für die Verteidiger nützlich war. Eine zusätzliche militärische Stärke der Ballons war ihre Unsichtbarkeit bei Nacht. Die maximale Stellhöhe von Sperrballons betrug 6.000 Meter. Das war an bedeckten Tagen in der Regel deutlich über der Wolkenschicht; die unter den Wolken fliegenden Angreifer konnten die Ballons nicht sehen.

Relativ dünne Seile (aus Stahl) sind vom schnellen Flugzeug aus mit dem Auge kaum rechtzeitig auszumachen, um erfolgreich ausweichen zu können. Auch wenn ein solches Seil nur mit einer relativ geringen Kraft gespannt ist, so verdreht es doch ein Flugzeug um seine Hochachse, wenn dieses sich – einseitig – an einem Seil verfängt. Dabei wird der Ballon beschleunigt zum Seilknick gezogen und verursacht durch die dabei wachsende Luftwiderstandskraft ein Ansteigen der Seilspannung. Das Seil gleitet dabei in Längsrichtung über die Flugzeughaut, sägt sich ein und kann sich zudem in Spalten oder an Anbauteilen verhaken.

Sperrballone waren zuletzt im Zweiten Weltkrieg im Einsatz, vor allem um Industrieanlagen oder Schiffe vor Luftangriffen zu schützen. Im Zweiten Weltkrieg setzten das Deutsche Reich, Großbritannien, die Sowjetunion und USA Sperrballons in großen Mengen ein

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. Die Briten experimentierten auch mit „Ballonschürzen“, wobei man mehrere Ballons mit Seilen zusammenband. Die Idee wurde vor allem deswegen wieder fallen gelassen, weil im Falle eines defekten Ballons alle damit verbundenen mit abstürzten und dabei häufig Stromleitungen beschädigten. Es gab auch Maßnahmen, Flugzeuge vor Sperrballons zu schützen. So stattete die Luftwaffe etwa die Baureihen Heinkel He 111 und Junkers Ju 88 vorn mit Ballonabweisern aus, die bei Berührung das Halteseil nach außen ablenken und möglichst auch kappen sollten. Dies wirkte sich jedoch ungünstig auf die Flugeigenschaften der Bomber aus und verringerte zudem die mitführbare Nutzlast.

Die Royal Air Force hatte bereits ein Jahr vor Kriegsbeginn Pläne fertig, London mit Hilfe von in der ehemaligen Luftschifffabrik in Cardington hergestellten Sperrballons vor feindlichen Flugzeugen abzusichern:

„Man könnte 600 Ballons in Abständen von 100 Yards voneinander quer über London verteilen, im Umkreis von zehn Meilen um Charing Cross herum. […] Vermutlich werden wir um die 50.000 Menschen dafür brauchen.“

Für die ersten zehn Sperrballon-Geschwader versuchten die Briten 5.000 „ältere“ (ab 38 Jahre) oder aus gesundheitlichen Gründen nicht wehrfähige Männer zu rekrutierten. Die Ausbildung fand am Abend und sonntags ganztags über einen Zeitraum von 15 Tagen statt.

Frankreich setzte 1938 Sperrballons im Rahmen des Spanischen Bürgerkriegs am Nordkamm der Pyrenäen in einer Höhe von 4.800 m ein, verzichtete jedoch aus Kostengründen auf einen Schutz von Paris gegen die Deutschen durch diese Technik. Zudem hielten sie sie nicht für effektiv, weil die angreifenden Flugzeuge zunehmend Technik an Bord hatten, um die Seile der Ballons zu zerschneiden. Die Britische Luftwaffe hingegen schätzte gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Bedeutung der Ballonsperren rückblickend als lebenserhaltend für die Großstadt London bei den Blitzangriffen der Deutschen 1940–1941 ein.

Sperrballons wurden auch an Schiffsrümpfen befestigt, so 1942–1944 an der Amphitrite (nach Entfernung der Masten) im Plymouth Sound.

Moderne Kampfflugzeuge sind mit wesentlich genaueren Navigationseinrichtungen und Zielgeräten ausgestattet und können somit auch aus größerer Höhe angreifen. Vor allem aber hat die Einführung von Luft-Boden-Raketen dazu geführt, dass das Ziel nicht mehr direkt überflogen werden muss. Daher haben Sperrballone heutzutage keine praktische Bedeutung mehr.

Magnetohydrodynamischer Generator

Ein Magnetohydrodynamischer Generator beruht auf den Wirkungen der Lorentzkraft. Demnach können bewegte Ladungsträger in einem Magnetfeld abgelenkt werden, wenn sich diese relativ zu einem solchen bewegen (Richtung der Lorentzkraft siehe Linke-Hand-Regel bzw. Drei-Finger-Regel). Beim MHD-Generator strömt ein elektrisch leitendes Fluid durch das Magnetfeld. Die Konsistenz des Fluids ermöglicht es der Lorentzkraft, ungleichnamige Ladungen zu trennen, welche sich dann an dafür vorgesehenen Kollektoren sammeln. Damit kommt es zur direkten Umwandlung mechanischer Energie (als Verschiebearbeit oder Volumenarbeit) in elektrische Energie.

Wird durch eine Spannung






U




A







{\displaystyle U_{\mathrm {A} }}


zwischen den Elektroden ein elektrisches Feld









E




A














{\displaystyle {\vec {E_{\mathrm {A} }}}}


erzeugt, dann ergibt sich eine induzierte Stromdichte:

Durch Wechselwirkung mit dem Magnetfeld erzeugt dieser induzierte Strom eine flächenspezifische Kraft:

Mit dieser Kraft steht der Druckgradient im Strömungskanal im Kräftegleichgewicht.

Daraus sieht man, dass es in einem MHD-Generator nicht möglich ist, Wärme direkt in elektrische Energie umzuwandeln, sondern man ihn dazu in einen thermodynamischen Kreisprozess, beispielsweise nach Joule-Brayton oder Clausius-Rankine, integrieren muss.

Für den Fall, dass in Strömungsrichtung kein elektrischer Strom fließt, kann der Wirkungsgrad geschrieben werden zu:

Wobei hier






R




A







{\displaystyle R_{\mathrm {A} }}


der äußere und






R




i







{\displaystyle R_{\mathrm {i} }}


der innere Widerstand des Plasmas ist.

An der Wand eines von den Verbrennungsgasen durchströmten Kanales sind in einer Ebene Elektroden angebracht. Senkrecht zu diesen Elektroden wird die Anordnung von einem Magnetfeld durchsetzt. Strömt durch eine solche Anordnung eine elektrisch leitende Substanz (die ionisierten Verbrennungsgase), so entsteht an den Elektroden eine elektrische Spannung. Diese ist dem Volumendurchsatz proportional, weshalb diese Anordnung auch als Durchflussmessgerät ohne bewegliche Teile verwendbar ist.

Die Anwendung in Kraftwerken erfordert, dass der Kanal von den ca. 3000 °C heißen Verbrennungsgasen durchströmt wird. Eine derartig hohe Temperatur ist nötig, um das Gas ausreichend elektrisch leitfähig zu machen. Dennoch ist ein Zusatz von leicht ionisierbaren Substanzen, wie Salzen von Alkalimetallen nötig, um die elektrische Leitfähigkeit weiter zu erhöhen. Aufgrund der hohen Gastemperatur müssen die Wände des Kanals aus sehr hitzebeständigen Materialien gefertigt sein. Als Werkstoff hierfür kommen u. a. Yttriumoxid oder Zirkoniumdioxid in Frage. Auch die Elektroden müssen aus sehr hitzebeständigem Material wie Wolfram, Graphit oder Siliciumcarbid gefertigt sein. Nach dem Kanal ist ggf. eine Vorrichtung erforderlich, in der die Alkalisalze aus dem Abgas abgetrennt werden.

Der Wirkungsgrad eines magnetohydrodynamischen Generators beträgt 10 bis 20 Prozent. Da jedoch die Abgase des magnetohydrodynamischen Generators noch eine Temperatur von über 1000 Grad Celsius haben, kann man sie noch als Wärmequelle für ein konventionelles Dampfkraftwerk (Wirkungsgrad bis 50 %) nutzen. Mit einer solchen kombinierten Anordnung kann man Brennstoffe mit einem Wirkungsgrad von bis zu 65 Prozent in elektrische Energie umsetzen, da der MHD-Prozess die für den thermischen Gesamt-Wirkungsgrad entscheidende Temperaturdifferenz nach oben erweitert (Gas- und Dampfturbinen haben aufgrund der Temperaturbeanspruchung der Turbinenschaufeln eine obere Temperaturgrenze bei ca. 600…1.000 °C). Auch bei gasgekühlten Kernkraftwerken ist der Einsatz eines magnetohydrodynamischen Generators als erste Stufe denkbar.

Im März 1971 wurde in der Sowjetunion der erste MHD-Generator (Bezeichnung „U-25“) fertiggestellt, der etwa 25 Megawatt elektrischer Leistung für das Moskauer Stromnetz erzeugte und auch für wissenschaftliche Forschungen benutzt wurde.

Der Magnetohydrodynamische Generator kann auch als Motor betrieben werden, in dem man durch die Elektroden einen Strom fließen lässt. Anwendungen hierfür finden sich in der Medizintechnik, aber auch beim magnetohydrodynamischen Antrieb von Wasserfahrzeugen.

Er kann auch zur Erhöhung der Ausstoßgeschwindigkeit von Abgasen von Raketentriebwerken verwendet werden, um somit Raketentriebwerke leistungsfähiger zu machen, allerdings ist dies wegen des hohen Gewichts von Magneten nicht praktikabel (Magnetoplasmadynamischer Antrieb)

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.

Eine weitere Anwendung des Magnetohydrodynamischen Generators als Motor liegt im Antrieb von Schiffen (Magnethydrodynamischer Antrieb). Da hierzu das Wasser über eine möglichst gute elektrische Leitfähigkeit verfügen muss, ist diese Form des Antriebs für Schiffe, die in Gewässern mit Süßwasser fahren, ungeeignet

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. In Japan wurden diesbezügliche Studien schon durchgeführt. Mitte der 1990er Jahre wurden von Mitsubishi einige Prototypen eines MHA-betriebenen Schiffes gebaut, doch erreichten die Fahrzeuge, neben zahlreicher anderer auftretenden Schwierigkeiten, lediglich eine Geschwindigkeit von etwa 15 km/h.

Der Einsatz des Magnetohydrodynamischen Generators für die Stromerzeugung scheiterte bisher an folgenden Problemen:

Man leitet z. B. die Abgase eines fixierten Modellraketen-Treibsatzes durch die Polschuhe eines Magneten. Im rechten Winkel zu diesem befinden sich dahinter zwei Elektroden, zwischen denen die erzeugte Spannung abgegriffen werden kann. Die erzeugte Spannung kann an einem in sicherer Entfernung aufgestellten Messgerät abgelesen werden. Bei diesem Versuch muss auf eine sichere Befestigung des Raketenmotors sowie auf die nötigen Sicherheitsabstände geachtet werden!

Verlag Peter Hopf

Der Verlag Peter Hopf ist ein deutscher Verlag mit Sitz in der ostwestfälischen Stadt Petershagen in Nordrhein-Westfalen.

Der Verlag Peter Hopf, bis zum Jahr 2009 auch unter der Abkürzung vph bekannt, wurde 1994 gegründet. Bis 1997 erschienen mehrere comicbezogene Veröffentlichungen

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, so z. B. eine Roman-Adaption der Comicserie Jarro von Dieter Böhm, sowie die Comicserien Talon von Thomas Knip und Die Kreuzritter von Klaus Grobys, beide im Piccolo-Comicformat.

2002 konzentrierte sich der Verlag mit seinem Relaunch auf die Herausgabe von E-Books. Das Programm bestand zu einem großen Teil aus Nachdrucken vor allem von Heftromanen und Leihbüchern – sowohl von Einzelheften wie von kompletten Serien – aus den Bereichen Science Fiction, Fantasy, Horror, Krimi, Western sowie Liebesromane. Das Programm umfasste Ende 2008 ca. 600 Titel. Darunter waren Autoren vertreten wie Dan Shocker, Earl Warren, H. G. Francis oder Alfred Wallon, mit Serien wie Larry Brent, Kommissar X oder Macabros.

Im Januar 2009 übergab der Verlag das E-Book-Sortiment “vph eBooks” an den bisherigen Redaktionsleiter Thomas Knip. Dieser führte es von 2009 bis 2015 unter dem neuen Titel “story2go” weiter.

Ab 2009 begann der Verlag (jetzt offiziell VERLAG PETER HOPF genannt) mit einer Neuausrichtung in Layout und Programm. Ein Schwerpunkt des neuen Verlagsprogramms sind seit 2011 Roman-Adaptionen der Piccolo-Comics von Hansrudi Wäscher.

Koordinaten:

Johanna Schmidt-Räntsch

Johanna Schmidt-Räntsch (* 1957 als Jürgen Schmidt-Räntsch) ist eine deutsche Juristin und seit 2002 Mitglied des Bundesgerichtshofs.

Die gebürtige Rheinländerin Johanna Schmidt-Räntsch stammt aus Bonn und absolvierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität das Studium der Rechtswissenschaften. Nach ihrer Promotion im Jahr 1983 hatte sie dort kurze Zeit eine wissenschaftliche Assistentenstelle inne. Im August 1984 trat sie in den höheren Justizdienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein und arbeitete drei Jahre als Proberichter bei verschiedenen Gerichten des Oberlandesgerichtsbezirks Köln. Im August 1987 wurde sie zum Richter am Landgericht Bonn ernannt. Im Februar 1991 wechselte sie in das Bundesministerium der Justiz in dessen Geschäftsbereich, wo sie als Referatsleiter für das Sachen- und Schuldrecht tätig war. Mit ihrem Eintritt in das Ministerium wurde sie zum Regierungsdirektor und im August 1997 zum Ministerialrat ernannt.

1996, nach dem Tod ihres Vaters Günter Schmidt-Räntsch, übernahm Schmidt-Räntsch von ihm die Neuauflage des Kommentars zum deutschen Richtergesetz. Von ihr stammt auch der Entwurf zum Antidiskriminierungsgesetz aus dem Jahr 2001

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Am 29. Juli 2002 wurde Schmidt-Räntsch als Mitglied des V

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. Zivilsenats des Bundesgerichtshofes zum Bundesrichter ernannt. Im Oktober 2005 hospitierte sie beim spanischen Kassationshof im Rahmen eines Richteraustauschprogramm an den obersten Gerichtshöfen der EU-Staaten.

Sie ist Honorarprofessorin an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitherausgeberin der Zeitschrift für Immobilienrecht (ZfIR)

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. Darüber hinaus hat sie sich mit zahlreichen Veröffentlichungen und Seminaren zum Thema einen Namen gemacht.

Schmidt-Räntsch ist mit der am Bundesumweltministerium tätigen Juristin Annette Schmidt-Räntsch verheiratet, gemeinsam haben sie einen Sohn.

Im Juni 2014 wurde veröffentlicht, dass sich Schmidt-Räntsch geschlechtsangleichender Maßnahmen und der Namens- und Personenstandsänderung unterzogen hat. Für den Bundesgerichtshof sei dies eine Privatangelegenheit, die wie eine Namensänderung bei der Eheschließung behandelt wird. Es sei ein Formalakt, der mit nicht viel Aufwand verbunden sei.

Haworthia

Haworthia fasciata mit den für viele Arten typischen „Perlwarzen“.

Haworthia ist eine Pflanzengattung aus der Unterfamilie der Affodillgewächse (Asphodeloideae)

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. Der botanische Name der Gattung ehrt den Botaniker und Zoologen Adrian Hardy Haworth. Die meisten Arten sind in Südafrika heimisch.

Die Arten der Gattung Haworthia sind kleinbleibende ausdauernde sukkulente Pflanzen. Einige Arten sprossen durch die Bildung von Stolonen, die meisten verzweigen von der Basis aus und bilden so dichte Gruppen. Wenige Arten wachsen einzeln. Ihre Wurzeln sind faserig bis sukkulent und manchmal spindelförmig.

Die in der Regel dicht rosettig an der Sprossachse angeordneten Laubblätter, nur bei Haworthia truncata sind sie zweizeilig, sind sitzend oder befinden sich an kurzen Stämmen. Die flachen bis kugelförmigen oder verlängertene Rosetten erreichen Durchmesser von 2 bis 15 Zentimeter. Die Blätter sind aufrecht, ausgebreitet bis zurückgebogen, gelegentlich stark zurückgebildet. Ihre Blattspreite dreieckig-lanzettlich bis linealisch und meistens fest. Sie vertrocknet häufig von der Spitze her und wird dann papierartig. Die sehr blass grüne, blaugrün bis dunkel (schwärzlich) grüne Epidermis ist oft warzig, verschiedenartig gemustert, kahl und nur selten filzig. Häufig gibt es durchscheinende Fenster und netzförmige Aderungen. Die Blattoberseite flach oder rinnig bis konvex, die Unterseite konvex und oft zur Spitze hin gekielt. Die Blattränder sind ganzrandig, gezähnelt, bewimpert, mit borstenartige Dornen besetzt oder warzig. Die manchmal stumpfe oder gestutzte Blattspitze ist meist spitz oder zugespitzt und besitzt manchmal ein aufgesetztes Spitzchen.

Der aufrechte, einfache oder verzweigte, feste bis drahtige Blütenstand erscheint aus der Mitte der Blattrosette und trägt 1 bis 5 Rispen mit kleinen Brakteen. Der Blütenstandsstiel ist bräunlich grün und häufig puderig überhaucht. Die Blüten sind klein, zygomorph, zweilippig und etwa 15 Millimeter lang. Es sind 5 bis 50 Blüten pro Blütenstand vorhanden. Die Blütenröhre ist gebogen oder gerade und zur Basis hin leicht geschwollen

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. Die 6 weißen bis rosafarben Tepalen weisen oft einen grünen oder bräunlichen Mittelstreifen auf. Ihre Spitzen sind ausgebreitet bis zurückgebogen, in der Mitte sind sie grün, bräunlich oder gelegentlich gelb gefärbt. Die 6 Staubfäden ragen nicht aus der Blütenröhre heraus. Der längliche bis länglich eiförmig Fruchtknoten ist dreifächrig und sechsrinnig, der Griffel priemlich und die Narbe apikal, winzig dreilappig oder rund.

Die Früchte sind aufrechte, länglich eiförmige, holzige Kapselfrüchte, die der Länge nach aufreißen. Sie enthalten schwarze bis graue, unregelmäßig kantige oder fast flache Samen.

Die Basischromosomenzahl der Gattung ist





x


=


7




{\displaystyle x=7}


. Der Chromosomensatz besteht wie bei den Gattungen Aloe, Gasteria und Poellnitzia aus vier großen und drei kleinen Chromosomen.

Die Gattung Haworthia ist im Süden Namibias und in Südafrika zwischen dem 25. und 34. südlichen Breitengrad und dem 16. und 32. Längengrad verbreitet. Das Gebiet mit der größten Artenvielfalt befindet sich in den südafrikanischen Provinzen Ostkap und Westkap in der Succulent Karoo (Sukkulentenkaroo) und der Nama-Karoo. Die Pflanzen wachsen meist an felsigen Stellen im Schatten von Gräsern oder Sträuchern.

Haworthia gehört innerhalb der Unterfamilie der Affodillgewächse in die monophyletische Gruppe der Alooideae (bis 2009 eine Unterfamilie der Asphodelaceae). Anhand von ausgewählten morphologischen Merkmalen wurde 1991 folgendes Kladogramm zur möglichen phylogenetischen Verwandtschaft der Gattung Haworthia abgeleitet:

 Aloe (inkl. Lomatophyllum)

 Poellnitzia

 Gasteria

 Astroloba

 Haworthia

 Chortolirion

Die Erstbeschreibung der Gattung Haworthia erfolgte 1809 durch Henri-Auguste Duval. Anhand von Blütenmerkmalen wird sie in drei Untergattungen gegliedert und umfasst folgende Arten:

Untergattung Haworthia

Untergattung Hexangulares Uitewaal ex M.B.Bayer

Untergattung Robustipedunculares Uitewaal ex M.B.Bayer

In diesem Umfang ist die Gattung jedoch nicht monophyletisch.

Es sind mehrere Hybriden innerhalb der Gattung und Gattungshybriden mit nahe verwandten Gattungen bekannt; z.B.: Haworthia × mantelii Uitewaal ist eine 1947 beschriebene Gartenhybride von Haworthia truncata und Haworthia cuspidata, deren zweiter Elternteil unzureichend gesichert ist. Weiterhin gibt es Hybriden mit den Gattungen AloeAlworthia), AstrolobaAstroworthia), mit ×Astroworthia bicarinata (Haw.) G.D.Rowley und GasteriaGasterhaworthia) sowie die Dreifachhybriden ×Bayerara D.M.Cumming (= Aloe × Haworthia × Gasteria), ×Cummingara G.D.Rowley (= Gasteria × Haworthia × Poellnitzia) und ×Maysara D.M.Cumming (= Astroloba × Gasteria × Haworthia).

Haworthia limifolia besitzt gute antibakterielle Eigenschaften. Die Art wird auf den Märkten von Durban gehandelt. Ein aus den Blättern hergestellter Sud wird von einigen südafrikanischen Stämmen, beispielsweise den Zulu, gegen Magenbeschwerden angewendet

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Etymologie Nordhorns

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Etymologie des Namens der Stadt Nordhorn und seiner Stadtteile.

Nordhorn wird im regionalen Dialekt Nothoorn oder auch Notthöörntin genannt.

Die urkundlichen Schreibweisen waren Norhthornon (also „nach Norden liegendes Horn“) 890 n. Chr. im Heberegister des Klosters Werden an der Ruhr, Northorne ab 1184, 1255 Northorne, 1249/50 Northorn und Nodehorne ab 1341 sowie auf Siegeln um 1400, und ab 1827 Nordhorn.

Das Wort „horn“ benennt hornartige, spitz zulaufende Flurstücke, Landspitzen, Ecken oder Winkel (eines Feldes in den Wald, des Landes ins Wasser, eines Besitztums in die benachbarten Güter), Berg- oder Ufervorsprünge. Es ist in zahlreichen Flur- und Ortsnamen enthalten.

Südlich von Nordhorn befindet sich die Burg Bentheim. Laut einer volkstümlichen Überlieferung wurde im Falle eines Angriffs auf die Stadt Nordhorn dort ein Horn geblasen – das sogenannte Nothorn – das die Bewohner der Vechteinsel warnen und zugleich um Hilfe bitten sollte. Da Nordhorn nördlich von Bentheim liegt, sei daraus später „Nordhorn“ geworden.

Dass die Bentheimer, die den Ort von ihren Höhen hinter dem Isterberg am nördlichen Horizont liegen sahen, die Namensgeber waren, oder sogar die Bewohner von Münster – Nordhorn lag am nördlichen Rand des Bistums – ist mehr als zweifelhaft, vor allem weil man Nordhorn von Bentheim aus nicht sehen kann. Bad Bentheim liegt 40 m über N.N., der Isterberg ist aber 68 m über N.N. hoch. Zudem war die Gegend in früheren Jahrhunderten zwischen Bad Bentheim und Nordhorn sehr weitläufig bewaldet. Der Bentheimer Wald und der Teutoburger Wald bis hin zum Harz bildeten eine fast durchgängige Waldfläche.

Die Überlieferung berichtet außerdem vom „Vorhandensein eines Wachtturmes im Vechtetal, von dem aus die Bewohner in Kriegszeiten durch Feuer oder durch das Horn des Wächters vor herannahenden Feinden gewarnt wurden. Diese Erklärung geht auf eine Urkunde aus dem Jahre 1341 zurück, in der der Name wirklich Nodehorne (Nothorn) geschrieben wird, und die Stadt noch heutigen Tages ein Horn in ihrem Wappen führt.“ (Lit.: Specht, 1941/1979). Die Deutung als Nothorn ist also schon sehr alt.

Ein Horn wurde aber auch in der Binnenschifffahrt auf der Vechte genutzt. Bei Nebel konnten sich die Schiffer mit dem Horn gegenseitig bemerkbar machen und warnen. Da sich im frühen Mittelalter zwischen Schüttorf und Emlichheim eine Ansiedlung mit einem Hafen gebildet hatte, die das Horn im Wappen trägt, wurde möglicherweise „Nordhorn“ daraus.

Eine andere phantasievolle Volksetymologie lautet: „In der Gegend von Nordhorn verehrte man den Gott Nod, Node oder Nothe. Der Beginn der Opferfestes dieser Gottheit sowie auch der Opfer wurde durch Blasen auf Ochsen- oder Kühhörnern angekündigt. Ihr zu Ehren brannte man Feuer, welche durch Feuersteinen geschlagen oder durch Aneinanderreiben trockener Holzstücke hervorgelocktes, heiliges Feuer, Nodfyr genannt, angezündet werden musste. Hiervon ist vermutlich der Name Nordhorn herzuleiten.“ (Lit.: Specht, 1941/1979)

Eine wissenschaftlich begründetere Variante der Wappendeutung besagt, dass Horn im Sinne von Ecke, bzw. Landmarke zu verstehen ist, ein Nordhorn also eine nördliche Ecke (Vorsprung des Feldes ins Vechtetal) darstellt. Laut Specht, Udolph und anderen hat der Name nichts mit einem Nothorn oder mit einem Gott Nod zu tun. Im Werdener Heberegister von 890 steht Norhthornon, von 1050 an Northornon, und in der Urkunde von 1184 Northorne. Auf den Stadtsiegeln erscheint zwischen 1400 und 1715 auch Northorne und von 1827 an Nordhorn. Der Namensbestandteil „Norden“ ist also älter als andere Deutungen. (Lit.: H.Specht: Nordhorn – Geschichte einer Grenzstadt.)

Altendorf war die Urzelle der Nordhorner Siedlung. Diese wurde dann wohl aus strategischen Gründen auf die Vechte-Insel verlegt. Diese Siedlung erhielt 1379 die Stadtrechte. Die alte Siedlung erhielt dann den Namen Oude Dorp = Altes Dorf (Altendorf).

Nach (Lit.: Specht.) leitet sich der Ortsname von Bak = Hügelrücken und Lo = kleines Gehölz ab, nach neuerer Forschung (Lit.: Udolph, S. 518.) handelt es sich indes um eine Ableitung des vorgermanischen bak-ila für Hügelbach.

Bimolten – 1252 Bimolt, 1213 Bimolte – wird von Specht auf Erdhaufen, von Reurik auf Gehölz (bi’m holte/beim Holze) und von Abels als Ansiedlung auf dem Feld gedeutet

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Der Name Bookholt leitet sich von Buchen- oder Birkengehölz ab. (Lit.: Specht.).

Brandlecht wurde 1313 Bramtelghet genannt: Bram = Ginster, telge = Zweig. (Lit.: Ernst Kühle, Brandlecht. in: Der Grafschafter. 1966, Nr. 160 (Juni).)

Frensdorf, niederdeutsch Frenstrup, ist vermutlich von einem Personennamen abgeleitet. Namensentwicklung: Um 800 n. Chr. Friethelstorpe oder Frieldorp, um 1000 Vrinsthorpe. (Lit.: Ernst Kühle, Frensdorf. in: Jahrbuch des Heimatvereins 1971.)

Die Herkunft des Namens Frenswegen, früher auch Vrendeswegen, wird gedeutet als „Auf dem Wege nach Frensdorf gelegen“.

Der Name Hesepe nimmt Bezug auf die Flusslage an der Vechte (epe – Wasser). (Lit.: Ernst Kühle: Hesepe. in: Jahrbuch Heimatverein 1982.)

Zum ersten Mal wird Hestrup 1150 als Hersebruc und 1212 als Hersedorp (Roßdorf) genannt. Die Endung -dorf oder -trup kennzeichnet eine bäuerliche Siedlung, die um 800 n. Chr. mit der Übernahme des Christentums als geschlossenes Gemeinwesen bestanden hat. (Lit.: Ernst Kühle

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, in: Der Grafschafter. Folge 168, Februar 1967.)

Hohenkörben ist etwa 600 n. Chr. als Hankorve in der Bakelder Mark entstanden, auf einem räumlich beschränkten Dünenrücken. Eine genaue Deutung des Namens ist unbekannt (Lit.: Ernst Kühle, in: Der Grafschafter. Folge 170, Mai 1967). Nördliche angrenzend liegt die Bauerschaft Hohenkörben, Kirchspiel Veldhausen, die zur Gemeinde Osterwald gehört.

Klausheide wurde nach Claus von Bohlen und Halbach (1910–1940), dem Sohn der Gründer von Gut Klausheide, Gustav und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach, benannt. Im Anfang hieß das Gebiet „die Claus-Heide“, sehr bald Clausheide. 1931 erfolgte die Umbenennung in Klausheide.

Die Blanke war früher ein tieferliegendes Heide- und Sumpfgebiet, welches nur an den Rändern erhöht war. Dazwischen befanden sich Wassertümpel, die im Sonnenschein blinkten, deshalb wurden sie auch Blänke genannt. Die beiden größten waren die Große Blanke und die Kleine Blanke. Nach und nach wurde dieses Gebiet trockengelegt und vor dem Zweiten Weltkrieg an den Rändern bebaut (Dorotheenstraße, Klarastraße). Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte dann die großräumige Besiedlung mit Flüchtlingen und Textilarbeitern. Der Stadtteil erhielt in Anlehnung an die früheren Heideseen den Namen Blanke. Der frühere Ort der Großen Blanke lässt sich noch heute an den Straßennamen Blankering und Innere Blanke ablesen. Einen Eindruck des möglichen Aussehens dieser Wasserflächen erlangt, wer das niederländische Naturschutzgebiet De Bergvennen – im Grafschafter Volksmund Die Sieben Seen genannt – westlich von Nordhorn besucht.

In den 1920er Jahren wurden hier für arbeitslose Bergleute aus dem Ruhrgebiet, die für die Nordhorner Textilindustrie angeworben wurden und auch für junge Nordhorner Familien Siedlungshäuser gebaut. Da die Straßen Blumennamen erhielten, wurde die Siedlung Blumensiedlung genannt.

Bei der Bussmaate handelt es sich um früheres Wiesengelände, welches dem Bauern Busch in Altendorf gehörte, daher der Name Buss Maate. Um 1910 kaufte der Textilfabrikant Bernard Rawe dieses Gelände und ließ darauf eine Spinnerei errichten. Um 1913 erfolgte der Bau von Werkswohnungen für die Fabrikarbeiter. Das gesamte Gelände erhielt den Namen Bussmaate.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde südöstlich der Denekamper Straße im Bereich der damaligen Gemeinde Frensdorf unter Initiative des gebürtigen Berliners Mäulen eine Siedlungsgenossenschaft gegründet und der Bau von Wohnhäusern in Angriff genommen. Aus Dankbarkeit gegenüber Herrn Mäulen nannte man diese Siedlung Neuberlin.

Ursprünglich gehörten zu Oorde die Bauernhöfe Ruwe, Arends und Hoot. Oorde bedeutet spitz zulaufender Landstrich und war ein Abspliss von Bakelde. (Lit.: Specht.). Oorde war ursprünglich ein Teil Altendorfs, ist aber mittlerweile ein eigener Stadtteil.

In früheren Jahrhunderten hatte die Nordhorner Bevölkerung in diesem Bereich, der aus einem Moor bestand und in der Gemeinde Bakelde lag, sogenannte Torfstichrechte, die von Bakelde geduldet wurden. Um 1864 erfolgte die sogenannte Markenteilung und Nordhorn bekam dieses Stück als zum Stadtgebiet gehörig. Es war die sogenannte Stadtsche Flur. Um die Jahrhundertwende wurde hieraus Bauland und das Gebiet wurde Stadtflur genannt.

Der Name Streng leitet sich von einer Dünenerhebung ab, einem so genannten Strang. Der Streng erstreckt sich von der Bogenstraße bis zur Nyhoegen-Brücke an der Bentheimer Straße. Ende des 19. Jahrhunderts bebaute die Textilfabrik Povel den vorderen Teil des Strengs im Bereich Bogenstraße/Ludwigstraße mit Werkswohnungen für ihre Arbeiter. Im hinteren Teil, dem heutigen Südstreng, der Rasen- und Wiesenstraße, entstanden in den 1930er Jahren und später Privathäuser.